Ich sitze gerade in meinem Büro und sehe aus dem Fenster, anstatt weiter an mein…

Claudia Scheider-Hofmann

Claudia Scheider-Hofmann

Ich sitze gerade in meinem Büro und sehe aus dem Fenster, anstatt weiter an meine Patientenberichte zu schreiben. Ich sehe mich im Großen und Ganzen als einen positiven Menschen, der es für sich zulässt und eingesteht mal einen Sch…Tag zu haben. Obwohl ganz so stimmt das nicht. Ehrlich gesagt fange ich an, mich an solchen Tagen selbst zu analysieren. Eines gleich vorneweg, ich möchte hier weder über Politik, Virologen, Epidologen, Wissenschaftler, Ärzte und alle anderen klugen Menschen und deren Vorgehensweisen, Erklärungen und Maßnahmen schreiben oder Stellung beziehen. Ich denke jede Seite versucht in seinem Ermessen das Beste. Wie immer das auch aussieht….
So, wie ich das Beste aus der Situation für mich machen muss. Ich gebe zu, ich bin in diesen Tagen etwas sensibler und emotionaler wie sonst. In 4 Tagen jährt sich der 2. Todestag meines Vaters. Wir hatten eine besondere geistige Verbundenheit. Aus der familären Situation heraus, besuchte ich ihn nur 1 x im Monat, aber wir hatten auf einer anderen Ebene eine starke Verbindung. Für alle überraschend ist er vor zwei Jahren zusammengebrochen und ich konnte und durfte im Krankenhaus Abschied nehmen. Auch mein Vater hat sich auf seine besondere Art, von mir verabschieden können. Ich bin über diesen Moment sehr sehr dankbar, auch wenn ich nur eine Stunde bei ihm sein durfte. Ich weiß nicht, wie es mir heute gehen würde, wenn ich ihn nicht hätte besuchen dürfen….
Meine Trauer und unseren Abschied konnte ich anschliesend in einem Bild verarbeiten.
Aber wieviele Menschen konnten in den letzten Wochen kein Abschied nehmen? Wie viele Menschen leiden und trauern im Stillen. Wie viele Menschen werden von Schuldgefühlen verfolgt und fragen sich:“Ach, hätte ich doch….“ „Warum habe ich nicht…“ Wer fängt jetzt diese Menschen auf?
Durch die Kontaksperre, bleiben viele in ihrer Trauer alleine und ziehen sich immer weiter zurück. Wer fängt diese Menschen auf? Selbst wenn man diese Einsamkeit sieht und fühlt, sind wir aufgrund der Kontaksperre gezwungen, diese Menschen in ihren Häuser/Wohnungen weiter vereinsamen zu lassen.
Vielleicht liegt es im Moment nur an meiner „sensiblen Phase“, aber ich habe das Gefühl, das sich bei einigen Menschen eine unterschwellige (noch nicht) bewusste brodelnde Agression, geboren aus der Unzufriedenheit, ausbreitet. In vielen Posts div. Social-Media werden über das Verkaufsverhalten von Käufer und Verkäufer (teilweise unter der Gürtelline), das nicht korrekte Anziehen des Mundschutzes, der nicht eingehaltene Abstand des Nachbarn, das Holzabladen des Nachbarn, das einfache Sitzen bei Sonnenschein im Gras (mit Mindesabstand), das nicht Eingreifen des Ordnungsamtes/Sicherheitsdienst/Polizei, dann wiederum das Eingreifen des Ordnungsamtes/Sicherheitsdienst/Polizei diskutiert.
Ich vermisse die Posts, in denen wir uns positiv beeinflussen, motivieren und uns ein Lächeln ins Gesicht zaubern. Die Posts, an denen anschliesend ein kleiner zwinkernder, lächelder oder lachender Smiley hängt und kein wütender roter oder schnaubender Smiley.
Apropos Lächeln. Ich war gestern, ordnungsgemäß mit Mundschutz einkaufen. Was mir aufgefallen ist, das viele nur noch auf den Boden sehen. Da ich aus berufswegen, den Menschen gerne in die Augen sehe, war das für mich erschreckend. Ein Blick in die Augen kann doch nicht ansteckend sein…. oder habe ich etwas falsch verstanden?
An der Kasse stand ein Schild „Schenken sie unserer Kassiererin ein Lächeln“. Das habe ich gemacht. Aber sie hat mich nicht angesehen. Daraufhin habe ich zu ihr gesagt: „Hier steht so ein nettes Schild und ich lächle sie die ganze Zeit, auch trotz Mundschutz an, und sie sehen es nicht.“ Etwas irritiert meinte sie: „Oh… dann lächeln sie doch nocheinmal“. Also lächelte ich sie mit meinen breitesten Grinsen (versteckt hinter der Maske) an. Als aufeinmal ihre Augen anfingen zu leuchten, wusste ich das auch sie lächelte…..“ Und was soll ich sagen,… sie wirkte aufeinmal viel entspannter und ehrlich gesagt ich auch…..
Auch trotz Maske, kann ich meinen Gegenüber (ohne die Gefahr mich anzustecken) in die Augen sehen und lächeln….
Denn wenn dein Gegenüber ebenfalls mit seinem Herzen lächelt, lässt dies auch deine Augen leuchten. Warum nicht dieses Leuchten weitergeben….?
Und ich würde mir wünschen, das wir bei Aufhebung der Kontaktsperre, dieses Lächeln an den Menschen weitergeben, die jetzt gerade still und unbemerkt in ihren Häusern/Wochnungen trauern. Ein Lächeln ist doch ein Anfang….



Original Beitrag auf Facebook ansehen

Kommentar verfassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Newsletter

Melden Sie sich für aktuelle Neuigkeiten zu meinen Seminaren und Therapien jetzt an.




    Ihre E-Mail-Adresse wird ausschließlich zum versenden des Newsletter verwendet.
    Weitere Informationen entnehmen Sie der Datenschutzerklärung.
    Ihre Daten werden sicher per https an den Server übermittelt.